Mobile Camp 2014 Rückblick

Als Barcamp werden Konferenzen bezeichnet, bei denen Teilnehmer selbst aktiv werden und Sessions für andere Teilnehmer halten oder sonst irgendwie aktiv zum Erfolg der Veranstaltung beitragen. Das Mobile Camp in Dresden ist eines der größten Barcamps zum Thema Mobile. In Dresden ging es vom 10.-11.Mai also um das Thema Mobile mit allen Aspekten - die Bandbreite ist dabei weit gefasst und es gab Sessions zu Konzepten, Usability, Appentwicklung, Webentwicklung, rechtlichen Fragen oder Hardware.

Es gab auf dem Camp viele gute und spannende Sessions. Ich möchte heute insbesondere zwei Sessions hervorheben:

Mobile wird erwachsen - über Trends im mobilen Bereich (@sascha_p)

Wie China den Smartphone Markt revolutioniert

In dem lockeren und amüsanten Vortrag von Sascha Pallenberg (von Mobile Geeks) ging es um Trends im Mobile Bereich. Sascha meint, dass Google ein gewaltiges Problem mit Android bekommen wird. In China bahnt sich Konkurrenz an, da dort innovative konkurrenzfähige Smartphones mit guter Ausstattung entstehen, die zum Niedrigpreis verkauft werden. Statt 500 Euro aufwärts bekommt man z.B. das neue Xiamo Redmi dort für 599 Yuan. Das sind umgerechnet 70 Euro und das spricht dafür, dass wir bald Smartphones beim Discounter kaufen können. Da kann Google nicht mithalten. Fakt ist schon jetzt, dass jetzt vermehrt chinesische Hersteller in die Top-Liga der Hardware Hersteller aufrücken - zu den Top 10 gehören mittlerweile 5 chinesische Firmen. In China und überall sonst in Asien gilt übrigens der Brand "Made in Germany" sehr viel - dort sind deutsche Entwickler hoch angesehen. Man hat also einen Vorsprung, wenn man vor Ort mitmischen mag...

Neue App Märkte statt Flappy Bird

Ein Erfolg wie Flappy Bird kommt nur sehr selten vor. Anstatt auf einen solch seltenen Erfolg zu hoffen und zu den hundertausend Apps im App bzw. Play Store zu gehören, sollte man sich laut Sascha lieber einem nachhaltigen Geschäftsbereich bzw. neuen App Stores widmen. Autos z.B. werden demnächst viel Technik beinhalten und auch dort Zugang zu Apps bieten. Wer ein 30.000€ Auto kauft, wird auch für innovative Apps für das Auto zahlen.Warum keine Dienstleistungen verkaufen, die dann statt einmalig 99ct mit 100-200 Euro im Jahr vergütet werden? Oder im beständigeren B2B-Bereich eine App bei Salesforce einstellen? Oder eine App für den boomenden Home Automation Markt?

Trends im Hardware Bereich

Die Geschwindigkeit der Verteilung in der Bevölkerung bei neuen Geräten nimmt mit jeder Generation gewaltig zu. Der Sprung von 10% auf 40% Penetration hat beim Telefon 40 Jahre gedauert. Das Handy hat hierfür 7 Jahre benötigt, beim Smartphone waren es etwa 3 Jahre. Was immer jetzt kommt, wird es wohl noch schneller schaffen.

Eine mögliches Produkt hierfür ist vielleicht die Smart Watch, die derzeit zahlreich auf den Makrt kommen. Dies ist laut Sascha nur der Anfang, mit dem Begriff "Smart Jewelry" werden Geräte bezeichnet, die nützlich und smart und zudem schön sind - also getragen werden können, ohne dass man wie ein Cyborg aussieht. The next big Thing sind außerdem Geräte, die transparent oder flexibel sind. Das sind dann z.B. die durchsichtigen Displays von den CSI Serien oder aus Science Fiction Serien. Oder Geräte, die gebogen werden können und ihre Form dabei flexibel anpassen können.

Usability und Gamification (@adamskiHNX)

Adam schrieb seine Facharbeit über Gamification.In seinem spannenden, mit vielen Informationen vollgespickten Vortrag stellte er viele Aspekte der Gamification vor. Gamification sei definiert als die "Anwendung spieltypischer Elemente und Prozesse in spielfremden Systemen, um Nutzer zu gewünschten Verhalten zu motivieren". Lernziele werden also in Spielemechanismen umgeformt - der Nutzer lernt und hat auch noch Spaß dabei. Anders gesagt handelt es sich bei Gamification um eine "ernste" alltägliche Situation mit Spielelementen. Komponenten können Punkte, Badges, Leaderbords oder Incentives sein.

Adam zitiert eine Tabelle von Mario Herger. Dieser vergleicht Arbeit und Spiel. Bei der Arbeit gibt es wiederkehrende stupide Aufgaben, Feedback gibt es einmal im Jahr, oft gibt es widersprüchliche und wage definierte Ziele sowie unklare Regeln, Fehler werden bestraft und der Status des Nutzers ist intransparent. Beim Spiel dagegen gibt es auch wiederkehrende Aufgaben, diese sind jedoch spaßbringend. Dazu gibt es ständig Feedback, klare Ziele, meist transparente Regeln, Fehler werden erwartet und belohnt, der Status des Nutzers ist transparent und es gibt zudem Beförderungen.

Wichtig sei noch, dass man die Nutzer auf jedem Level ihres Spielerlebnisses anspricht. Die Ansprache von Anfängern, Experten und Spielmeistern unterscheidet sich. Spieler auf den unterschiedlichen Leveln müssen unterschiedlich motiviert werden.

Dank an das Orga Team

In der Blogparade vom Mobile Camp wurde die Frage gestellt, wie uns - den Teilnehmern - das Camp gefallen hat und ob es etwas zu verbessern gibt. Zunächst einmal vielen Dank für die tolle Orga. Es war wie schon im letzten Jahr ein schönes Camp mit viel Enthusiasmus auf allen Seiten. Die Kulisse ist schön, alles war gut organisiert und die Sessions waren umfangreich, gut und zahlreich. Auch die Idee mit den Keynotes war gut und das Freibier beim Citybeach sowieso :)

Besser machen könnte man die mobile Unterstützung - immerhin ist es ein Mobile Camp. Wie wäre es mit einer App, die Teilnehmer mit anderen Teilnehmern und Sessions verknüpft: Wer sucht jemanden mit meinen Interessen oder Fähigkeiten? Welche Sessions sind für mich spannend? Wie kann ich mich einfach mit dem Vortragenden einer Session oder den anderen Zuhörern austauschen? Wenn jeder ermutigt wird, seine Tags in die App einzutragen, dann kann auch die längere Vorstellungsrunde entfallen oder Raum zum Netzwerken gegeben werden.

Danke noch einmal für ein schönes Barcamp, wir sehen uns in 2015!